Ich bin Bennet! Wir haben mittlerweile den 09.August 2020 und ich bin nun schon seit gut 2 Wochen in der Klinik für Psychosomatische Erkrankungen, weil ich unter schweren depressiven Phasen leide. Der Schritt bis hierher war nicht ohne und alles andere als leicht. Niemand möchte sich eingestehen und wahrhaben, dass er eine psychische Erkrankung hat – auch ich nicht. Mein Ausweg beginnt.

Warum ich hier bin, werde ich Euch im Laufe der nächsten Tage erzählen. Die Geschichte ist nicht ohne und Ich möchte schon jetzt vorsorglich darauf hinweisen, dass hier an manchen Stellen sensible Themen behandelt werden, wie Missbrauch, Gewalt und Panikattacken. Daher möchte ich mögliche Trigger nicht ausschließen.

Meine Reise

Die Reise begann am 22.07.2020 als ich mich mit dem Auto aufmachte, um etwas zu ändern – Mein Leben. Ich bin ein sehr introvertierter Mensch, der immer wieder dazu neigt, sich komplett zurückzuziehen und sich von der Gesellschaft zu isolieren. Es gab Zeiten in denen ich die Menschen einfach hasste und sie verantwortlich machte für das Schicksal, dass ich erleiden musste. Das aber die Menschen um mich herum und auch ich nichts dafür können, wurde mir erst spät bewusst. Viele Jahre habe ich den Menschen unrecht getan, vor allem aber meiner Frau, die mir eigentlich nur helfen wollten.

Sie wollten nur das Beste für mich, für mich da sein und mir den Weg aufzeigen, der mir helfen sollte das zu verarbeiten, was mich seit meiner Kindheit begleitet. Das Bewusstsein, etwas ändern zu müssen und Hilfe anzunehmen entwickelt sich, als ich im Jahr 2019 zusammenbrach und fast alles hinschmiss. Ich trennte mich von meiner Frau, mit der ich eine wundervollen Sohn habe, der unser ein und alles ist. Wir verkauften das Haus und suchten uns jeder eine eigene Wohnung in der unser Leben weitergehen musste. Für mich war diese Wohnung mein Zufluchtsort, meine Höhle in der ich alleine sein konnte – es war ein Ort voller Kummer und depressiver Episoden, ein Ort an dem ich mich fast im Alkohol verloren hätte.

Kein Alltag mehr

Ich ging nicht mehr zur Arbeit und ließ mich von einem Psychiater, später aber von meinem Hausarzt, krankschreiben. Von nun an war ich komplett alleine und überließ mich meinem Schicksal. Es war ruhig, fast jeden Tag. Oft lief im Hintergrund melancholische Musik, die meinen Zustand nicht gerade verbesserte, im Gegenteil – ich verlor mich oft in Gedanken an meine Kindheit, an all das, was mir da widerfahren ist. Die Gedanken und die scherzhaften Erinnerungen machten mir zu schaffen, sie machten mir regelrecht Angst. Oft wusste ich nicht, wie ich den nächsten Tag überstehen sollte, denn ich fing Nachts an zu träumen und somit alles zu verarbeiten. Es war alles wieder so real und greifbar, als wäre ich wieder mittendrin. Mein Herz schlug so stark, dass ich mich das Gefühl und die Angst überkam, dass es gleich aus meiner Brust springt und ich sterben muss. Diese Angst wiederholte sich Nacht für Nacht.

An einen erholsamen Schlaf hatte ich schon lange nicht mehr. Jeden Tag stand ich auf und legte mich vom Bett auf das Sofa uns schaute Netflix. Nahrungsaufnahme stand nicht mehr meiner To-Do Liste. Ich nahm ab, bis zu 10kg und erreichte ein Gewicht, dass ich vor 12 Jahren schon mal hatte – 65KG. Für meine Körpergröße von 176cm viel zu wenig, aber ich hatte einfach keinen Appetit. Vor knapp 14 Jahren aber wog ich nur 60kg. Damals aber hatte ich hunger, aber nichts zu essen. Warum das so war, erfahrt ihr in einem späteren Kapitel.

Der Anstoss zum Umdenken

Eines Tages rief mich mein bester Freund an und fragte mich, wie es mir geht. Ich erzählte ihm, dass es mir gut ginge und ich die Zeit alleine genieße. Das dem nicht so war, wusste er bis zu dem Zeitpunkt nicht, als er mich zum Frühstück einlud. Ich musste nichts sagen, er sah mir an, wie meine körperliche und seelische Verfassung war. Er machte mir einen Kaffee und wir redeten, eine sehr lange Zeit. Er sagte nicht viel und hörte einfach nur zu – das war genau das, was ich brauchte. Zum Schluss sagte er etwas, was mich zum Nachdenken brachte: “Bennet, du bist wertvoll, hast eine Familie und Freunde, die dich so lieben, wie du bist – egal wie viele Narben du in dir trägst. Du bist es wert geliebt zu werden.” Da ich mich schwer tue meine Gefühle vor anderen Menschen zu offenbaren, weinte ich später zu Hause.

Ich war ihm zu diesem Zeitpunkt so dankbar für diese Worte, weil es genau die richtigen waren, um zu verstehen, dass es wirklich Menschen gibt, die mich lieben und mich wertschätzten. Auch meine Frau fand in vielen nachfolgenden Gesprächen immer die passenden Worte. Sie beide bauten mich emotional wieder etwas auf und ich fing an darüber nachzudenken, wie es weitergehen sollte. Ich wollte etwas ändern, für mich, für meine Frau und meine Freunde.

Der Entschluss für den Ausweg

Einige Tage später fasste ich die Entschluss in eine Klinik zu gehen, mit dem Ziel ein gesellschaftliches und familiäres Leben zu führen, ohne das meine Vergangenheit dies negativ beeinflusst. Was mir allerdings nicht bewusst war, dass dies ein langer Prozess ist und es viele Therapien und somit viele Jahre brauchen wird. Meine Frau betont immer wieder gern, dass sie stolz auf mich ist und froh über die Entscheidung, dass ich diesen ersten Schritt gemacht habe. Einen Schritt, der alles verändern wird – mein persönlicher Ausweg aus der Depression.