Es war ein komisches Gefühl in die Klinik zu fahren, ohne Kenntnis davon zu haben, was mich hier erwartet – ich mag das ungewisse nicht. Genauso wenig mag ich es, wenn ich die Kontrolle abgebe und nicht selbst beeinflussen kann, was passiert. Dabei kenne ich es ja nicht anders, denn als Kind wurden mir ja auch alle Entscheidungen abgenommen – selbst die, die für mich einen großen und positiven Einfluss auf mein Erwachsenen-sein gehabt hätten.

Die Ankunft auf dem Gelände

Da war ich nun. Langsam fuhr ich mit meinem Auto auf das Klinikgelände und suchte mir einen Parkplatz – es war mir bekannt, dass es hier eine begrenzte Anzahl an Stellflächen gibt, aber ich versuchte es dennoch. Ich hatte Glück, es war noch ein Parkplatz frei – danke an das Universum, dass ich zuvor mit meinem positiven Gedanken behelligt hatte. Der Stellplatz war groß und breit, so dass ich keine Probleme hatte mein Auto ordnungsmäßig abzustellen. Der Motor kam zur Ruhe, ich atmete durch. Was ein großes und imposantes Gebäude.

Meine Aufregung stieg an und zugleich machte sich auch ein bisschen Angst in mir breit. Ich wusste nun, was dieser SCHRITT für mich bedeutet – es ging los, der Prozess sollte nun starten. Es vergingen noch 15 Minuten, ehe ich mich mit dem Gedanken anfreunden konnte, dass Auto zu verlassen und meinen Koffer aus dem Kofferraum zu holen. Die Blinker leuchteten drei Mal auf, ein Zeichen dafür, dass das Auto verschlossen ist. Nochmals atmete ich tief durch. Auf geht es. Der Koffer rollte leise über den Asphalt, ehe ich in die Hand nahm und ich die Treppe zum Eingang in die Klink bestieg. Ic h war drin, es gibt kein zurück mehr.

Das Personal scheint sehr freundlich zu sein

Ich wurde freundlich begrüßt und eingewiesen. Man bat mich auf das Zimmer zu gehen, da ein Test auf das Virus Covid-19 SARS 2 durchgeführt werden soll. An der Zimmertür angekommen, begrüßte mich auch schon mein Bezugsarzt, der mich lediglich fragte, ob ich Grippetypische Symptome habe, wie Fieber, Halskratzen oder Husten. Ich verneinte das und der Arzt verschwand durch meine Tür zurück in den Flur. Das war der Corona Test? Gut dachte ich, die wissen schon, was sie tun. Beim betreten des Klinik-Gebäudes fiel mir auch auf, dass ich der einzige war, der eine Maske trug – alle anderen, das Personal und die Patienten, liefen ohne Maske durch die Klinik. Sind das alles Corona-Leugner oder Covidioten, wie sie draußen gerne genannt werden? Nun gut, sollte nicht mein Problem sein.

Als der Arzt verschwand, klingelte das Zimmer-Telefon, es war die Schwester vom Pflegestützpunkt, die mich bat vorbeizukommen. Sie wirkte etwas grob, aber nett. Dort angekommen, teilte mir man mit, dass meine Unterlagen nicht angekommen seien, was ich sehr merkwürdig fand, denn ich hatte den sehr dicken Umschlag per Einschreiben hierher geschickt, weil dort vertrauliche und sehr persönliche Angaben gemacht wurden. Ich durfte diese Unterlagen nochmals ausfüllen – voll nervig. Was ich noch nicht wusste, es sollten nicht die einzigen Unterlagen sein, die auf einmal verschwunden sind.

Hoher Altersdurchschnitt der Patienten, junge Psychologen

Was mir beim Mittagstisch auffiel war, dass ich vom Alter her zu den jüngsten gehöre, was meinen Wohlfühl-Faktor nicht ansteigen ließ, sondern meine Unwohlsein mehr unterstützte. Es fiel mir immer schwerer zu akzeptieren, wo ich nun bin, aber das konnte ich auch nicht von mir verlangen, schon gar nicht am ersten Tag. Mir war allerdings auch nicht danach mit anderen Patienten ins Gespräch zu kommen, eher machte sich mein Rückzugsverhalten breit. Allerdings hatte ich noch den ein oder anderen Termin – Therapeutische und ärztliches Aufnahmegespräch, Willkommens-Vortrag in einer Kapelle und dann das Abendessen.

Das therapeutische Aufnahmegespräch war gut und der Psychologe sehr nett, doch leider war dies sein vorletzter Tag, somit war er nicht mein Bezugsbetreuer, was alles andere als schön ist. Bei ihm hatte ich ein sehr gutes Gefühl, was mir sehr wichtig ist, damit ich mich auch auf den Psychologen einlassen kann. Dieses Gefühl hatte ich bei dem Psychiater nämlich nicht, was ich ihn damals auch spüren ließ. Ohne dieses Gute Gefühl, kann ich mich einer Person nicht öffnen und ihr auch kein Vertrauen schenken. Zu oft bin ich von vielen Menschen enttäuscht worden, weil sie mich hintergangen haben.

Fazit vom ersten Tag in der Klinik

Der erste Tag war in Ordnung, ließ aber noch viel Luft nach oben. Die Patienten machen einen gefassten und netten Eindruck, sowie das engagierte Personal. Die Räumlichkeiten sind vollkommen in Ordnung und geben einem nicht das GEFÜHL sich Fremd zu fühlen. Die hohen Erwartungen, die ich an diese Reha habe, sollten sie schon Tage danach nicht bewahrheiten und mich in ein tiefes Loch fallen lassen.

Mein Vorbericht zum Nachlesen