Heute schreibe ich mal nicht über meinen Klinikalltag, sondern über mein Buch, dass ich vor einiger Zeit angefangen habe zu schreiben. Lange habe ich überlegt, ob ich dieses Buch wirklich schreiben soll und ob es so gut ist mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen. Nach vielen Gesprächen mit meine Frau und vielen schlaflosen Nächten hatte ich mich dann gestern dazu entschieden, ein Teil der Kapitel auf Wattpad zu veröffentlichen. Ein gewagter Schritt, enthalten die Kapitel doch mögliche Trigger für Menschen, den ähnliches widerfahren ist. Nun gut, ich weise ja vorsorglich daraufhin, so kann am Ende jeder selbst entscheiden, ob er es lesen möchte oder nicht.

Der Zuspruch, als ich einzelne Passagen aus dem Buch veröffentlicht hatte, war groß. Viele schrieben mir und ermutigten mich weiterzumachen und damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Es war ein schönes aber auch zugleich erstaunliches Gefühl. Was mir nicht so bewusst war, und was wir Menschen gar nicht so wahrnehmen ist, dass es da draußen eine Menge Menschen gibt, die ähnliches durchmachten mussten. Da stellt sich mir schnell die Frage: „Was war das damals für eine Zeit?“

Der Titel des Buches…

… ist kein Zufall und es geht schon aus dem ersten Kapitel hervor, warum ich diesen Titel gewählt habe. Ich war kein Wunschkind, was sich mit den Jahren auch nicht änderte. Viele Kinder wissen es nicht, weil es viele Eltern gibt, die ihre Kinder dennoch lieben und versuchen ihnen das Leben so schön, wie möglich zu machen. Viele dieser Eltern würden ihren Kindern auch nicht sagen, dass sie kein Wunschkind sind, denn das hinterlässt starken Narben in den Seele. Meiner Mutter war das allerdings egal. In jeder Situation, die sich ihr bot, haute sie mir das um die Ohren. Sie sagte es mir nicht nur um mich zu verletzen, sondern um wirklich alle Gefühle und die Freude auf das Leben in mir zu zerstören.

Ich kann mich noch sehr gut an alle Momente erinnern, denn der Tonfall, mit dem sie es mir immer wieder sagte, wird immer in meinem Ohr bleiben. Es hat sich in jeder Zelle meines Körpers festgesetzt und prägt mich auch heute noch sehr. Es beeinflusst mich in meinem Leben, mit meiner Familie, mit Freunden und mit Kollegen – ich habe keine Lebensqualität. Ist das Körperverletzung? Kann man Eltern dafür zur Rechenschaft ziehen und sie dafür strafrechtlich Bestrafen lassen? Ein Gedanke, der gar nicht so abwegig klingt. Aber was würde es mir bringen? Viele würden jetzt sagen Gerechtigkeit oder eine Art Genugtuung. Aber wenn es die Möglichkeit gäbe und ich das durchsetzen würde, wäre ich kein Stück besser als sie.

Vergangenheit vs. Gegenwart

Wenn ich die Vergangenheit aus der Sicht als eigener Vater betrachte, entwickelt sich bei immer mehr das Unverständnis, warum Menschen so grausam sein können – gerade gegenüber den eigenen Kindern. Sie sind doch unser eigen Fleisch und Blut, und dabei ist es doch vollkommen egal, ob gewollt oder ungewollt. Kinder sind das schönste, was einem im Leben passieren kann. Wenn sie dich mit ihren unschuldigen Augen anschauen, die die Welt noch nicht so gesehen haben, wie du selbst. Sie wissen nicht, was da draußen los ist, was in der Welt passiert und wie diese funktioniert. Aber ich möchte das auch nicht, denn es sind noch Kinder. Wenn ich mir vorstelle, dass ich meinem Sohn jetzt schon erzähle, wie grausam die Menschen sind, würde ich damit seine ganze Kindheit zerstören.

Ich würde ihm damit die Möglichkeit nehmen, die Welt mit seinen Augen zu entdecken und kennenzulernen, vollkommen ohne Vorurteile und medialen Einflüssen. Wäre es nicht schön, wenn wir als Erwachsene auch nochmal die Möglichkeit hätten, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten? Soll ich euch mal etwas sagen, dass können wir. Lasst euch dabei einfach von Euren Kindern leiten, lasst sie Euch die Welt mit ihren Augen zeigen und erklären. Ihr werdet merken, dass sich die Sichtweisen ändern. 🙂

Wir und die Politik müssen mehr tun

Auch wenn ich so viele schlimme Dinge erlebt habe und meine Kindheit ein Desaster gewesen ist, würde mir es nie in den Sinn kommen, meinem Sohn gleiches antun zu wollen. Ich verabscheue jegliche Art von Gewalt an Kindern und bin der Meinung, dass unsere Politik mehr dafür tun muss, unsere Kinde zu schützen.

Ich will mit meinem Buch und meiner Geschichte wachrütteln und auf eine Thema aufmerksam machen, dass sonst nie an die Öffentlichkeit gelangt. Es soll Fingerzeig dafür sein, was hinter verschlossen Türen passiert, was KINDERN angetan wird, dass ihnen unrecht getan wird – sie können nichts für die Vergangenheit und das Versagen der Eltern. Ich werde in den nächsten Tagen etwas mehr darauf eingehen und Vorschläge machen, wie und was man ändern kann, um Kinder mehr zu schützen.

Bis dann,