Mein letzter Beitrag ist jetzt nun eine Weile her und es gibt Tage an denen es mir gut und nicht so gut geht. Heute ist ein Tag an dem die Farbe schwarz dominiert – dabei ist heute Wochenende, die Zeit in der mich meine Familie besuchen kommt.

Seit gestern regiert die innere Unruhe mein Wohlbefinden, ein drückendes Gefühl in der Brust, dass mich nicht loslassen möchte. Viele Gedanken, viele Situationen beschäftigen mich, machen mich traurig und weinerlich. Ich kann nicht genau sagen, warum diese negative Energie wieder da ist. Liegt das an den Medikamenten, an der Situation, sich allem stellen zu wollen? Es ist nicht einfach auszumachen, woher das alles kommt, doch ich weiß, dass solche Tage verdammt schwer für mich sind. Sie bedeuten, den Kampf gegen die innere Wut, den Hass und die Unzufriedenheit mit mir selbst anzugehen und sich im klaren darüber zu sein, dass ich diesen Kampf wieder verlieren werde. In gewissen Momenten kommt es mir so vor, dass ich mir ständig etwas vormachen, dass es mir gut geht und ich mit allem zurecht komme. Doch solche Tage wie gestern und heute zeigen, dass ich nicht Herr über meiner selbst bin und es mir an Stabilität fehlt.

Meine Gedanken, meine Hindernisse

Die Gedanken zu beherrschen, die Denkmuster und den damit verbundenen Automatismus in den Griff zu bekommen, kostet Kraft, die ich oft nicht habe. Zu den gedanklichen und emotionalen Belastungen hinsichtlich meiner Vergangenheit, kommen auch noch gegenwärtige Probleme, die mir die Freude an das Leben und das positive Selbstwertgefühl nehmen. Jeden Morgen stehe ich auf und ich weiß nie, wie der Tag wird, mit welchen Herausforderungen ich zu kämpfen habe und was der Tag emotional für mich bedeutet. Oft ist es ein Wettlauf mit der Zeit, denn sie läuft mir weg. Zeit die mir verloren geht, kostbare Zeit mit meiner Familie, den Menschen, die mich lieben und akzeptieren.

Was mich momentan aber am meisten belastet, ist die Frage, wie es nach der Klinik weitergeht? Was wartet da draußen auf mich? Mein Arbeitgeber weiß nun, was mit mir los ist und wie es mir gesundheitlich geht. Und wenn die es wissen, dann weiß es auch die gesamte Belegschaft, denn vertraulich wird in der Firma nichts behandelt. Ich befasse mich nun also damit zu visualisieren, wie ich mit meiner Rückkehr in die offene Gesellschaft und in mein Berufsleben umgehe, wie ich mich Kollegen gegenüber verhalte, wenn ich mitbekomme, dass sie über mich sprechen. Gar nicht so einfach. Eigentlich sind mir die Menschen in der Firma und die draußen in der Welt egal, weil sie nicht Teil meines Lebens sind. Aber ich möchte es dennoch vermeiden, dass sie über mich reden, dass ich der Mittelpunkt bin, über den sich alle ihr Maul zerreißen. Ob das alles wirklich so sein wird, weiß ich ja eigentlich nicht, es sind einfach meine Gedanken, die ein Gefühl in mir auslösen – voller Scham und Unsicherheit.

Mehr Akzeptanz für die Krankheit

Mir ist bewusst, dass ich für meine Krankheit nichts kann und ich mit der Krankheit offen umgehen kann. Es ist dasselbe, als wenn mich ein Autofahrer angefahren und ich mir dabei das Bein gebrochen hätte, nur das es eine andere Art der Verletzung ist. Sie ist sichtbar und für jeden nachvollziehbar. Eine psychische Erkrankung ist das nicht. Es ist eine Krankheit, die für die Menschen nicht sichtbar und greifbar ist und somit nicht existent. Die Akzeptanz für eine psychische Erkrankung ist nicht gegeben und so besteht immer die Gefahr, dass man abgestempelt wird. Unsere Gesellschaft ist einfach so. Ohne zu wissen, was passiert ist und welche Hintergründe das hat, verurteilen die Menschen einen für das, was man ist oder nicht. Das klingt jetzt alles sehr negativ und vielleicht denkst du dir jetzt auch, dass nicht jeder mensch so ist – das mag sein, aber ich habe recht wenige kennengelernt, die mich so akzeptieren, wie ich bin. Selbst Menschen von denen ich dachte, dass sie mich als Menschen schätzen, sind mir in den Rücken gefallen – auch Arbeitskollegen und „gute Freunde“.

An Tagen, an denen ich so denke und schreibe wie jetzt, sind Tage an denen die Farbe schwarz dominiert. Ich versuche positiv zu denken und mich auch auf die positiven Dinge zu konzentrieren, aber meist ohne Erfolg. Ich muss noch so viel lernen und verstehen, dass es mehr Farben auf der Welt gibt. Als Kinder haben wir ja schließlich gelernt, die Welt als bunt zu erleben und zu malen – ich erinnere nur an „Die bunte Welt der Pipi Langstrumpf“.